‘Der Sportart würde mehr Anerkennung guttun!’ – Fans


Berlin – Bei dem Gedanken an Fußball-Welt- oder -Europameisterschaften fällt den meisten Menschen sofort Frankreich ein, Brasilien, Südafrika oder auch das Fußballmärchen 2006 in Deutschland. Was denken Sie aber, wenn wir Ihnen nun sagen: Im kommenden Sommer findet eine Fußball-Europameisterschaft in Berlin statt – mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass kein Spieler den Ball sehen kann? Ja, das ist möglich und dazu auch noch rasant, emotional und spannend!

Mit dabei ist dann vermutlich auch Edis Veljkovic. Fußballspieler, Hertha-Fan – und blind. Über die Besonderheiten des Blindenfußballs, die EM-Vorfreude in der Heimatstadt und natürlich auch Hertha BSC hat herthabsc.de mit dem Offensivspieler gesprochen.

herthabsc.de: Durch welche Umstände hast du deine Sehkraft verloren?
Veljkovic:
Ich bin wegen einer Augenkrankheit namens Glaukom erblindet. Durch steigenden Augendruck wurden meine Sehnerven abgeklemmt, bis sie abgestorben sind. Ich bin blind, seit ich 15 Jahre alt bin. Vorher habe ich Fußball gespielt, weil ich nichts von meiner Krankheit bemerkt habe. Eigentlich darf man mit ihr keinen Sport machen, aber wenn ein Arzt versucht einem jungen Menschen klarzumachen, was der Sport für Auswirkungen auf die Augen hat und man diese Auswirkungen noch nicht als solches wahr nimmt, dann spielt man halt weiter Fußball.

herthabsc.de: Wie lief es dann nach Ausbruch der Krankheit mit dem Fußball?
Veljkovic: Ich habe nach und nach meine Sehkraft verloren. Dadurch habe ich schon mit Blindenfußball angefangen, als ich noch nicht komplett erblindet war. Blindenfußball spiele ich aktiv seit 2007. Ich schnüre meine Schuhe für Viktoria Berlin. Von der Position her bin ich offensiv ausgerichtet und zwischen Mittelfeld und Sturm aktiv. Es ist etwas anders als beim Fußball auf dem großen Spielfeld, da wir auf Futsal-Feldern spielen. Eine Halbzeit geht 20 Minuten, dabei wird bei jeder Unterbrechung gestoppt.

Gesagt…

“Blindenfußball ist eine Mischung aus Tennis, Basketball und Handball.”

Edis Veljkovic

herthabsc.de: Wie würdest du Blindenfußball beschreiben?
Veljkovic: Blindenfußball ist eine Mischung aus Tennis, Basketball und Handball. Tennis, weil das Drumherum um den Platz ruhig sein muss, da das Spiel von den Geräuschen lebt. Die Abstände auf dem Feld sind dem Handballsport ähnlich, da ein Strafstoß zum Beispiel von sechs Metern Entfernung geschossen wird, anstatt aus elf Metern. Wie beim Basketball muss ein Spieler nach fünf Fouls das Spielfeld verlassen und dessen Mannschaft spielt für zwei Minuten in Unterzahl. Eine Besonderheit gibt es noch: Torhüter müssen sehen können, sonst wäre die Verletzungsgefahr zu hoch. Der Torwart organisiert die Verteidigung, ein bisschen wie ein Libero.

herthabsc.de: Woher weißt du, wo auf dem Platz sich der Ball befindet?
Veljkovic: Beim Blindenfußball sind Rasseln in den Ball eingenäht. Die Rasseln kann man hören, solange der Ball in Bewegung ist. Auf dem Feld sind wir Spieler auf uns gestellt, niemand kommt und hilft dir bei der Orientierung. Wenn der ballführende Spieler mit seinen Mitspielern kommunizieren will, dann ruft der “Voy!”, was “ich gehe” auf Spanisch bedeutet.

herthabsc.de: Die Zuschauer bei euren Spielen müssen ruhig sein. Was hältst du von der Regel?
Veljkovic: Ich persönlich finde sie wenig sinnvoll. Der Ball erzeugt genügend Geräusche. Ich habe zum Beispiel mal erlebt, dass im Millerntor-Stadion in Sankt Pauli in der Halbzeitpause demonstriert wurde, wie Blindenfußball funktioniert. Die Fans waren nicht besonders leise, ich stand circa 30 Meter weit vom Ball entfernt und ich habe ihn trotzdem hören können. Deshalb finde ich die Regel sinnlos. Während des Spiels konzentriere ich mich eh nur auf das Spiel.

herthabsc.de: Und wenn du selbst ein Spiel verfolgst: Bist du lieber live im Stadion oder hörst du Radio?
Veljkovic: Ich höre kein Radio. Da verfolge ich die Partie dann lieber im Fernsehen. Die Kommentatoren dort machen wenigstens hin und wieder eine Pause beim Sprechen, dadurch hört man etwas von der Stimmung im Stadion. Es ist einfach ganz anders, wenn man selbst im Stadion vor Ort ist und die Atmosphäre erleben kann.

herthabsc.de: Verfolgst du Hertha BSC?
Veljkovic: Ja, Hertha spielt in dieser Saison ziemlich gut. Vedad Ibisevic ist mein Lieblingsspieler. Und dafür, dass Pál Dárdai so ein junger Trainer ist, macht er seinen Job wirklich gut.

herthabsc.de: Die IBSA Blindenfußball Europameisterschaft steigt vom 17. bis 26. August des Jahres in Berlin. Wie groß ist deine Vorfreude?
Veljkovic: Sehr groß! Ich bin der einzige Berliner im Team, für mich ist es also noch einmal mehr ein Heimspiel. Unser Ziel ist es, Europameister zu werden. Zehn Mannschaften nehmen teil. Es war jetzt zum ersten Mal so, dass sich die Mannschaften erst qualifizieren mussten. Das Turnier findet am Platz beim Tempodrom statt.

herthabsc.de: Was wünschst du dir für den Blindenfußball?
Veljkovic: Der Sportart würde mehr Anerkennung guttun. Der DBS (Deutscher Behinderten Sportverband) ist das Pendant zum DFB. Es ist schon etwas schade, dass unser Sport nicht wirklich vom DFB unterstützt wird. Länder wie England oder Belgien investieren mehr in den Sport. Dafür, dass in Deutschland nicht so viel in den Blindensport investiert wird, spielen wir aber ziemlich gut.

Alle Informationen sowie Videomaterial über diese faszinierende Sportart und natürlich die Möglichkeit, sich Tickets zu sichern, finden sich im Internet unter www.euro2017.berlin.

(war/HerthaBSC)



Hertha BSC

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